12.) Die Ballade vom Bierbrauen

(von Hagen Rudolph)

Die Ballade vom Bierbrauen

Ein Mensch erwacht im Morgengrauen
und denkt - es ist noch ziemlich früh -
"Heut' möchte ich ein Bier mir brauen!
Wie sehr lohnt immer diese Müh'!"

Er frühstückt erst, das ist ihm wichtig
bevor er mit dem Werk beginnt.
Und dabei überlegt er richtig,
welches Rezept er diesmal nimmt.

'S ist Sommer, und man muss nicht heizen.
Im Gegenteil - die Sonne knallt.
"Da braue ich mir doch ein Weizen,"
denkt er sich, "das ist fertig bald".

Er holt zunächst den Maischekessel
und muss dann in den Keller gehn,
wo gut verschnürt mit enger Fessel
die malzgefüllten Säcke stehn.

Die Malze werden abgewogen
ganz nach gewünschter Rezeptur.
Dann muss der Brauer sie selbst schroten.
Dafür braucht er Minuten nur.

Im Kessel ist bereits das Wasser.
Dort gibt das Malz er sacht hinein.
Das staubt erst, wird dann immer nasser,
und will fortan gerühert sein.

Die Maische braucht jetzt gut drei Stunden,
wird mal erwärmt, mal rastet sie.
Sie darf nicht anbrennen, noch klumpen,
und ist 'ne ziemlich trübe Brüh'.

So wandelt bald der Stärke Kleber
sich in begehrte Zuckerarten.
Beim Läutern bleibt zurück der Treber,
auf den schon viele Tiere warten.

Die Würze hat der Held gewonnen.
Sie lässt die Pfanne voll wohl sein.
Und hat das Kochen erst begonnen,
dann kommt der Hopfen flugs hinein.

Die Würze kocht neunzig Minuten,
während Eiweiß koaguliert,
und von dem Hopfen in den Fluten
ein Drittel isomerisiert.

Nun filtert er mit feinem Tuch -
damit das Bier recht lange hält -
aus seiner Würze Trub und Bruch,
und danach wird sie kalt gestellt.

Auf zwanzig Grad gekühlt in Ehren,
wird erst die Stammwürze gemessen,
und vorbereitend für das Gären
kräftiges Lüften nicht vergessen.

Dabei wird Hefe zugegeben.
Das Weizenbier ist obergärig.
Mit ihr beginnt das Bier zu leben.
Fürs Erste ist der Brauer fertig.

Die Würze gärt, die Kräusen stehn,
der Brauer spindelt, wartet ab.
Er spült die Bügelflaschen schön,
die mühsam er gesammelt hat.

Dann endlich ist das Werk vollbracht,
die Flaschen alle frisch gefüllt.
Des Brauers Herz vor Freude lacht
weil neues Bier im Keller kühlt.

Ein wenig muss das Bier nun reifen,
der Trub muss auch zu Boden sinken.
Der Brauer hört sich leise pfeifen.
In zwei, drei Wochen kann er's trinken.

Das Selbstgebraute schmeckt am besten.
Damit kann sich - das muss man sagen -
kein Industriebier ehrlich messen.
Sie können Hobbybrauer fragen…

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